Muss man das Ei mehrmals erfinden?

Kürzlich wurde in der Ludwigsburger Kreiszeitung darüber berichtet, dass von der Stadt Kornwestheim ein Restgrundstück an einen sich neu formierten Verein verpachtet wurde. Mit der Vertragsunterzeichnung soll der Startschuss zum Gärtnern an den Bahngleisen erfolgen. Das Projekt ginge auf einen Antrag der Grünen vom November 2019 zurück.

Die Kosten für die Gestaltung und die hierfür benötigten Materialien würden von der Gärtnergruppe selbst getragen. Das Areal lag wohl bisher brach; deshalb gäbe es dort von den Initiatoren viel zu tun. Ein Wasseranschluß würde laut Stadtverwaltung im Herbst zur Verfügung stehen. Wie genau das Ganze aussehen soll und was genau angepflanzt wird, entscheide die Gruppe selbständig. Als Klammer der Aktivitäten dient ein neu gegründeter Verein. Dies wurde als besonders positiv herausgestellt.

In Marbach liefen vor einiger Zeit wohl ähnliche Überlegungen. Hier wurden im Mai 2018 solche Aktivitäten von einem kleinen Kreis Gleichgesinnter angestoßen. Dort nennt man es Mitmachgärten. Grundgedanken sei, das 17,5 Ar große Grundstück gemeinschaftlich mit Kräutern, Obst und Gemüse zu bepflanzen und zu pflegen. Auch geerntet soll gemeinsam werden. Nach anfänglicher Euphorie gäbe es allerdings inzwischen kaum mehr als ein halbes Dutzend regelmäßiger Aktiver. Der Initiator sagt, dass über so einen Garten die Jahreszeiten drüber gehen, wenn sich nicht genügend Leute darum kümmern und es würde für den Rest anstrengend unf zeitintensiv. Besonders positiv wurde erwähnt, dass sich in der Nachhaltigkeitsgruppe ein Paar gefunden habe und dort ehrenamtliche Aufgaben erledigt werden können, ohne an Vereinsstrukturen gebunden zu sein.

In einem jügsten Artikel wird nun von einem Beispiel aus Erdmannhausen berichtet. Auch dort nennt man es Mitmachgärten. Begonnen habe man damit Ende April dieses Jahres. Die Aktivitäten seien ein besonderes Projekt, das von der örtlichen Integrationsbeauftragten Katarina Fischinger und der Grünen-Gemeinderätin Martina Glees -Brück in Zusammenarbeit mit der Integrationsbeauftragten des Landratsamtes Jale Ergün Akyüz auf den Weg gebracht worden sei. Hier teilten sich Menschen verschiedener Herkunft einen Garten mit 14 Parzellen.

Wir als Dachorganisation der Siedler- und Kleingartenvereine fragen uns, ob es sinnvoll ist, sich über solche Einzelaktivitäten an das Thema Gartengemeinschaft anzunähern. Unsere Kleingartenorganisation besteht seit vielen Jahrzehnten und hat sich erfolgreich in diesem Segment behauptet. Wir haben große Erfahrungen in der Betreuung von solchen Vereinen und verfügen über ein Regelwerk an Satzungen und Gartenordnungen, die rechtsfest sind und sich vielfälig bewährt haben. Dies alles hat sich nicht von heute auf morgen entwickelt. Auch wir haben Erfahrungen gemacht und mußten Rückschläge hinnehmen. Aber uns erscheint es wenig sinnvoll, gleiche Fehler mehrfach zu machen. Was und wie dies in unseren Vereinen abläuft, bestimmen in einem demokratischen Prozess die jeweiligen Mitglieder durch Abstimmungen in den Hauptversammlungen selbst. Grundlage sind die bewährten Regeln des Vereinsrechts.

Die Mitglieder unserer Vereine sind ein Spiegelbild der Bevölkerung: Hier arbeiten Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, kommen sich näher und tauschen ihre Erfahrungen aus. Sie alle eint der Spaß am gärtnerischen Hobby. Die Nachfrage nach solchen Parzellen ist ungebremst. Wichtiger als immer wieder neue Intitiativen scheint es uns, neue Flächen für Kleingartenanlagen auszuweisen. Wie diese betreut, verwaltet und zu organisieren sind, wissen wir aus jahrzehntelanger Erfahrung mit solchen Flächen. Unsere Kleingartenbewegung gibt es seit über 150 Jahren. Dies alles müssen wir nicht immer wieder neu erlernen.

Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn uns die Gemeinderatsfraktionen der Kommunen egal welcher Farbe dabei unterstützen würden.